Donnerstag, 28. Mai 2020  |   zum PDF

In Corona-Zeiten ist verantwortungsvolle Gastfreundschaft wichtiger denn je.

Ein Blick hinter die Kulissen des Johanniterhauses Kloster Wennigsen

 

Wennigsen scheint unverändert. Es grünt und blüht in der ruhigen Deister-Gemeinde, Vogelgezwitscher begrüßt uns, die Sonne lacht. Vor unserem Ziel, dem Johanniterhaus Kloster Wennigsen, empfängt uns Marco Kurzok, der Geschäftsleiter. Mit einem herzlichen Lächeln und dem aktuell gebotenen Abstand. „Setzen wir uns doch in den Garten“, schlägt er vor. Wir stimmen gerne zu. Trotz unserer vorangegangenen Besuche im Johanniterhaus überrascht uns die Größe des Gartens. Unser Blick schweift von der geräumigen Außenterrasse über das weitläufige Gartengrundstück. Über schattige Plätze unter hohen Bäumen, sonnige Bereiche auf dem Rasen und die benachbarte Klosterkirche. Kurzok bemerkt unser Staunen. „Ja, über unseren Garten sind wir gerade sehr froh. Abstand ist hier wirklich überhaupt kein Problem!“, sagt er lachend.

 

Grillen zu Pfingsten, Wiedereröffnung am 30. Mai
„Bei unserer Wiedereröffnung wird unser Garten eine wichtige Rolle spielen,“ verrät Kurzok. „Hygienemaßnahmen wie Abstand und frische Luft sind hier leicht umgesetzt, und wir haben schon oft gehört, dass der Aufenthalt sich hier wie ein Kurzurlaub anfühlt. Ich glaube, das können wir jetzt alle gut gebrauchen!“ Was denn geplant sei, fragen wir. Und erfahren: Ab dem 30. Mai nimmt das Johanniterhaus Kloster Wennigsen seinen geregelten Betrieb wieder auf. „Dann stehen unser Hotel, unser Restaurant und unsere Tagungsräume endlich wieder zur Verfügung“, erzählt Kurzok. „Wir freuen uns schon riesig darauf und haben uns seit Wochen darauf vorbereitet. Dabei kam uns die Idee, unsere Wiedereröffnung mit einem Pfingstgrillen zu feiern: am Pfingstsamstag, -sonntag und -montag, immer von 12 bis 18 Uhr hier im Garten.“

 

In Zeiten des Coronavirus: neue Maßnahmen und neue Ideen
Für das Gastgewerbe ist die Coronavirus-Pandemie eine riesige Herausforderung, so auch für das Johanniterhaus Kloster Wennigsen. Kurzok rührt bedächtig in seinem Kaffee. „Ich muss gestehen, gerade in den ersten Wochen hat mir das Ganze persönlich richtig zu schaffen gemacht. Gäste zu empfangen und dafür zu sorgen, dass sie sich bei uns wohlfühlen, ist ja nicht nur ein Job, da steckt auch viel Leidenschaft und Herzblut drin. Dadurch treffen einen Absagen und Unsicherheiten wie diejenigen der letzten Monate natürlich umso härter.“ Er schaut auf. „Aber wir haben die Herausforderung angenommen. Gerade in Corona-Zeiten ist verantwortungsvolle Gastfreundschaft meiner Meinung nach wichtiger denn je. Deshalb haben wir das Johanniterhaus vorübergehend geschlossen und analysiert, wie wir am besten vorgehen können. Wir haben ein umfangreiches Hygienekonzept nach den Leitlinien des Deutschen Hotel- und Gaststättenverbands (DEHOGA) verfasst und umgesetzt. Den Kontakt zu den entsprechenden Stellen und Behörden gesucht. Desinfektionsmittelspender und Informationsmittel für die Gastbereiche beschafft. Und neue Angebote entwickelt. Den Anfang haben unsere Office Spaces gemacht. Dabei vermieten wir unsere Hotelzimmer tagsüber günstig als Arbeitszimmer und Alternative zum Home Office. Ab unserer Wiedereröffnung am 2. Juni bieten wir außerdem jeden Werktag von 11.30 bis 14.30 Uhr einen wöchentlich wechselnden Mittagstisch in unserem Garten oder zum Mitnehmen an und sind gespannt, wie das angenommen wird.“

 

Durchdachte Hygiene: immer wichtig, jetzt noch wichtiger
„Hygiene ist im öffentlichen Bewusstsein durch die Coronavirus-Pandemie jetzt noch einmal stärker in den Fokus gerückt“, fährt Kurzok fort. „Im Hotel-, Tagungs- und Restaurantbetrieb ist das ja immer ein zentrales Thema. In der Küche zum Beispiel durch unser HACCP-Konzept zur Lebensmittelsicherheit. Und jeder weiß, wie wichtig ein gründlich gereinigtes Hotelzimmer ist, um sich dort wirklich wohlzufühlen. In den letzten Wochen haben wir aber unser gesamtes Vorgehen noch einmal hinsichtlich der Corona-Maßnahmen sorgfältig überprüft, verändert und ergänzt.“ Er lächelt uns an: „Ich versuche, das zusammenzufassen, versprochen, aber da gibt es einfach so viele wichtige Details. Das muss man sich wie ein riesiges Mosaik vorstellen, bei dem ganz viele Aspekte zusammenkommen.“
Er fährt fort: „Das fängt natürlich damit an, dass Räume und besonders häufig genutzte Gegenstände wie zum Beispiel Türklinken häufiger gereinigt und desinfiziert werden. Daran hängen dann wieder Arbeitsabläufe, die wir ebenfalls überprüft und verändert haben. So hat unser Housekeeping bisher vieles in Gemeinschaftsarbeit erledigt. Jetzt achten wir auf Einzelarbeit, die automatisch Abstand schafft. Ähnlich in der Küche. Dort haben wir die Arbeitsplätze und -abläufe umorganisiert und sogar unser Speisenangebot daran ausgerichtet, dass es die Zubereitung mit möglichst viel Abstand erleichtert. Maskentragen, Händewaschen, Geschirrdesinfektion durch entsprechend heiße Spültemperaturen und so weiter und so weiter kommen natürlich dazu. Jedes Detail zählt. Viele dieser Maßnahmen finden außer Sicht unserer Besucher statt. Andere Veränderungen betreffen unsere Gäste hingegen direkt.“

 

Abstand, Planung und ein Lächeln mit den Augen
„Was inzwischen selbstverständlich ist, ist der persönliche Abstand. Dazu gehören herzliche Begrüßungen mit gewahrter Distanz, möglichst kontaktlose Check-ins im Hotel und verringerte Personenzahlen im Restaurant und in den Tagungsräumen. Raumbesetzungen müssen wir gründlich planen, daher brauchen wir aktuell für jeden Besuch Reservierungen, auch für unseren Mittagstisch im Garten. Für unsere Gäste hat dies jedoch den Vorteil, dass ihre Speisen dank unserer Vorbereitungen noch schneller serviert werden.“ Kurzok unterbricht sich selbst: „Genau, selbst beim Servieren gibt es Veränderungen. Zum Beispiel stellen wir jetzt alle Getränke einer Gruppe auf einem Tablett auf den Tisch, zum Selbernehmen. Das minimiert die Berührung jedes Glases. Beim Servieren sprechen wir zudem bewusst nicht, um jegliche Tröpfchenbildung zu minimieren.“ Er lächelt fast verlegen. „Vieles ist für uns ungewohnt und läuft unserem erlernten Serviceempfinden entgegen. Aber ich glaube, es geht uns momentan allen so, dass wir in einigen Bereichen umlernen müssen. So wie wir uns auch an das Maskentragen gewöhnen mussten und daran, dass man unser Lächeln nun hauptsächlich an unseren Augen sieht.“

 

Tagungsgäste: kleinere Gruppen und stringentere Strukturen
„Aufgrund der verringerten Personenzahlen pro Raum finden Tagungen nun in kleineren Gruppen statt. Selbstverständlich stellen wir Hygieneutensilien wie Einweghandschuhe, Desinfektionsmittel und -tücher zur Verfügung. Kaffeepausen werden versetzt geplant, um Berührungspunkte mit anderen Gästen zu minimieren. Mir tat das ein bisschen leid, denn bisher waren wir bei den Kaffeepausen spontaner. Aber eine Teamleiterin meinte vor einigen Tagen am Telefon, die kleinere Gruppengröße und der verbindliche Zeitrahmen könnten sogar Vorteile haben – da bin ich mal gespannt auf das weitere Feedback unserer Gäste.

 

Ausblick auf ein Jahr voller Überraschungen
Unsere Kaffees sind ausgetrunken, unser Besuch neigt sich dem Ende zu. Kurzok spricht uns aus der Seele, als er sagt: „2020 hat sich komplett anders entwickelt, als wir das geplant hatten, was?“ In der Tat. Umso interessanter finden wir eine Idee, die er zuvor zur Sprache gebracht hatte: Urlaub im Deister. Wer eine oder mehrere erholsame Wochen in Deutschland zubringen möchte, ist im Hotel des Johanniterhauses zu vorteilhaften Familien-Wochenpreisen herzlich willkommen. Vielleicht nicht der schlechteste Plan für ein Jahr voller Überraschungen, denken wir. Und ergänzen nach einem Blick durch den Garten, dass das Gute wirklich nahe liegt.